UND WAS ISST DU SO...?

 

Immer wieder wurde ich im laufe meines Modeldaseins gefragt, wie ich das mit der Ernährung mache.

Ob ich viel Sport mache, ob ich auch mal was süßes esse?

Ich muss zugeben, dass mir diese Frage mit der Zeit ziemlich auf die Nerven gegangen ist.

Ich hatte immer das Gefühl mich rechtfertigen zu müssen und den Leuten teilweise auch einfach nur das zu erzählen, was sie hören wollten.

 

 Je mehr man also von Außen mit dem Thema Ernährung konfrontiert wurde, umso mehr Verunsicherung stieg in mir hoch.

Ich dachte, ich muss ein bestimmtes Bild erfüllen. Überflüssige Kommentare -die sicher nicht immer böse gemeint waren- wenn man mal etwas gegessen hat, was ein Model doch eigentlich garnicht essen sollte waren keine Seltenheit. Vor allem in diesen Situationen merkte ich stets beobachtet zu werden. Was isst sie, wie viel isst sie....

Wenn also dann doch mal die Schokolade nebenbei in den Mund gewandert ist, war ein kleiner Seitenhieb in Richtung „aber bloß nicht zu viel", „grins“, „haha“ oder ähnliches super witziges keine Ausnahme.

Wenn man sowas jedoch zu oft hört, kann sich das mit der Zeit ziemlich festsetzen.

Man darf das als Model eben nicht essen.

Sport war bei mir nicht das Problem. Ich habe jahrelang professionell Eiskunstlauf betrieben und war daher Anfangs noch recht muskulös.

Leider hatte das mit zierlich wenig zu tun und ich fing an Diäten zu halten.

Ich bekam Bestätigung und viel positives Feedback dafür. Doch ehe ich mich versah, habe ich die Relation komplett verloren.

Kalorienzählen, Hungern usw.

Ich nahm zu und wieder ab, hin und her. 

Da nicht jeder Kunde gleich war, versuchte ich es also jedem Recht zu machen.

Auf dem Deutschen Markt ist es z.B. garnicht gefragt so abgemagert zu sein. Sowas gehört eher in Richtung Mailand oder auch London.

 

Für meine Aufenthalte in Mailand und Miami hungerte ich mich richtig runter.

 

Zu der Zeit war mir zwar klar, dass ich kaum etwas aß, aber ich dachte es geht eben leider nicht anders wenn ich richtig dünn sein will.

Das Ergebnis, ich war Müde, Antriebslos und hatte auf Jobs kaum Energie. Natürlich habe ich mir das nie anmerken lassen, aber es gab Tage an denen musste ich wirklich kämpfen. 

 

 

 

 

 

 

In Deutschland kam mein zartes Figürchen, wie ihr euch denken könnt, leider garnicht mal so gut an.

 

 

Einige Kunden beschwerten sich, dass ich zu dünn geworden sei.

Die Verunsicherung war nun komplett und ich wusste überhaupt nicht mehr wie ich „richtig“ bin.

Man ist in einem richtigen Strudel. Deprimiert und unzufrieden mit sich selbst.

 

 

 

 

 

Es viel mir wirklich sehr schwer in dem Job mein Selbstbewusstsein nicht zu verlieren und vor allem ist es sehr traurig, dass ich mich selbst so unter Druck gesetzt habe und diesen Zustand zugelassen habe.

Sicher gilt das nicht für jeden, für mich persönlich war es jedoch nicht immer einfach. Eine große Rolle spielt dabei auch, dass ich vor allem im Bereich Wäsche und Bademoden gebucht war.

Hier hat man keine Möglichkeit irgendwas zu verstecken und wie sich sicher einige vorstellen können, ist es nicht immer ein angenehmes Gefühl halb Nackt von allen begutachtet und angetascht zu werden.

Wenn also wenig an mir dran war, so dachte ich, gibt es auch keine Fettpölsterchen und unschöne Dellen über die man hinter der Kamera tuscheln könnte.

 

Je mehr Zeit verging und je älter ich wurde, umso mehr versuchte ich wieder das Gleichgewicht zu finden. Das gelang mir kurzzeitig auch immer wieder mal. Durch regelmäßige Sportprogramme auf gymondo.de wurde ich fit.

Jederzeit und überall trainieren. Perfekt für mich, da ich immer viel unterwegs war und es nach wie vor hasse in Fitnessstudios zu rennen.

Außerdem ist das Programm sehr günstig für ca. 14 Euro im Monat.

Es gibt verschiedene Programme von Ausdauer über Yoga bis hin zu Kapuera. Hier ist für jeden was dabei.

Rückschläge gab es dennoch. Ich habe auch gemerkt, welches Umfeld mir nicht gut tut. Models bei denen es nur dieses Thema gibt, habe ich gemieden. Ich wollte nicht dauernd über Ernährung und Figuren sprechen.

 

Letztendlich muss ich sagen, dass mich die Nachricht über meine Schwangerschaft „gerettet“ hat.

 

Meine Prioritäten haben sich verschoben.

Es ist einfach nicht so wichtig, perfekt aus zusehen und man wird es sowieso nie allen Recht machen können.

Sich deswegen kaputt zu machen wird man hingegen sein Leben lang bereuen.

Natürlich möchte jeder Erfolgreich sein und tut dafür auch so einiges. 

Allerdings hält das auf Dauer niemand aus.

Ob es eine Sportsucht ist, die man entwickelt hat oder ein ausgeklügeltes Ernährungssystem. Normal und entspannt ist was anderes.

Sicher gilt das nicht für alle Models, allerdings wird dieses Thema bei jedem Mädchen das bereits erfolgreich als Model arbeitet oder gearbeitet hat nicht spurlos vorbei gehen.

 

Wenn man also keine Top Veranlagung hat, hilft es nur Selbstbewusst zu bleiben und lieber auf den ein oder anderen Job zu verzichten. Denn die Kunden die man auf der einen Seite gewinnt, wird man auf der anderen Seite auch verlieren. 

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